Eine Nachlese von Hans und Peters jährlicher KYSI Sommertour 2025,
Hans und Peter schreiben:
Kann man in diesen Zeiten mit einem Motorsegler bis zum Schwarzen Meer fliegen? Seit dem Beitritt Rumäniens zum Schengenraum 2025 ist es für die allgemeine Luftfahrt möglich aus Schengen-Nachbarstaaten ohne Zoll- und Personenkontrollen direkt kleine Flugplätze anzufliegen. Unsere Super Dimona hatte sich schon in anderen Regionen Europas bewährt, da sie bezüglich Treibstoff und Landestrecken recht flexibel ist. Nach Recherchen und Emailaustausch mit einigen Flugplätzen geben wir uns „grünes Licht“ für diese Reise.
Anfang Juli 2025 starten wir von Unterwössen nach Prievidza, mit Flugplan per Skydemon für den Grenzübertritt in die Slowakei. Die zweite Etappe führt uns über die ungarische Puzta bis Hajduszoboszlo bei Debrecen. Es gibt auf diesem grossen Graslandeplatz zwar keine Tankstelle, jedoch liegt ein Campingplatz neben dem HungaroSpa Aquapark, so dass man eine Übernachtung mit einem Besuch im Thermalbad kombinieren kann.




Am nächsten Tag geben wir einen Flugplan für den zweistündigen Flug nach Sibiu auf. Ben Breit ist Miteigentümer des Fallschirmsprung-Zentrums am Landeplatz Cisnadie Magura. Wir hatten ihn bereits vorher kontaktiert, und er hilft uns kulanterweise mit Benzinkanistern und dem Transport zu einer Tankstelle, um Superbenzin für die Dimona zu kaufen. Die Hilfsbereitschaft unter Piloten ersetzt wie in Süditalien oder dem Baltikum die Lücken in der regulären Infrastruktur.
Das vormals Hermannstadt genannt Sibiu war früher Teil des Habsburger Kaiserreichs, und wurde später rumänisch. Die Siebenbürger Sachsen haben viele deutsche Einflüsse hinterlassen, und der Nachmittag und Abend vergehen wie im Flug.




Am nächsten Morgen bringt uns ein Uber-Taxi zurück nach Cisnadie. Auch für den kurzen Flug nach Brasov geben wir einen Flugplan auf, denn wir starten und landen in Kontrollzonen. Brasov Corona ist ein neuer privater Platz, auch hier haben wir aus dem Pilotennetzwerk einen Kontakt bekommen. Nach der Landung bringt uns ein weiteres Uber nach Brasov.
Das ehemalige Kronstadt zeigt sich mit mittelalterlichen Befestigungsanlagen, Basteien und Türmen. Neben Sibiu war Brasov ein weiteres Zentrum der Siebenbürger Sachsen und der Kirchenreformation. Sehenswürdigkeiten wie die Schwarze Kirche oder der Hausberg Tampa füllen unseren restlichen Tag. Für eine Besichtigung des südwestlich von Brasov gelegenen Schlosses Bran, dem „Draculaschloss“, reicht die Zeit leider nicht aus.





Bei weiterhin gutem Flugwetter planen wir wieder mit SkyDemon am Tag darauf den Weiterflug nach Tuzla am Schwarzen Meer. Mit Transpondercode fliegen wir aus der Kontrollzone aus. Später verlassen wir die Karpaten und sinken für den restlichen Flug über die walachische Tiefebene. Bereits vor der Schwarzmeerküste queren wir die Donau, welche nordwärts ins Donaudelta des Schwarzen Meeres fliesst. Von Constanta Approach erhalten wir einen Direktkurs auf unser Tagesziel Tuzla..Der Flugplatz hat seine Graslandebahnen mittlerweile geteert. Wir rollen nach der Landung zur AVGAS-Tankstelle und tanken voll. Danach stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass das rechte Hauptrad komplett die Luft verloren hat. Glücklicherweise gibt es am Platz eine Werkstatt, wo wir uns einen Kompressor und Werkzeug ausleihen können. Nach drei Stunden haben wir den Schaden eigenhändig behoben. Mit dem nächsten Uber geht es zu unserem Hotel nach Eforie Sud, circa 20 km südlich der Stadt Constanta. Voila, wir sind an der Schwarzmeerküste! Den Nachmittag verbringen wir im Wasser des Schwarzen Meers, und in einer der geöffneten Strandbars. Der Strand erinnert uns an die Adria, während die Strandzeile einen sozialistischen Touch nicht verheimlichen kann. Wir beschliessen uns Zeit für zwei Übernachtungen zu nehmen.




Am nächsten Tag bringt uns ein Zug nach Constanta. Constanta hat oströmische Wurzeln, und ist ein Spiegel der Zeitenwende in Rumänien. Es gibt es noch viel Gebäudealtbestand aus der Ceaucescu-Ära, aber man sieht auch viele Renovierungen. Neben der griechisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul lohnt sich ein Besuch der Carol-I.-Moschee. Das bekannteste Wahrzeichen dürfte jedoch das Belle Epoque Casino aus dem Baujahr 1910 sein. Nach jahrzehntelangem Verfall im Sozialismus erstahlt es nach einer Sanierung im neuen Glanz, und entwickelt sich zu einer Hauptattraktion von Constanta. Den Abend verbringen wir in Eforie, und planen den Rückflug durch den Süden Rumäniens.






Am nächsten Morgen suchen wir wieder ein Uber für die Fahrt zum Flughafen von Tuzla. Wir machen die Dimona abflugbereit, und starten auf der Startbahn 04. Unsere Flugroute Richtung Westen führt uns stets nördlich der Donau entlang der bulgarischen Grenze über die Große und später die Kleine Walachei („Muntenien“ und „Oltenien“). Wir passieren den Großraum von Bukarest im Süden und durchfliegen die CTR Craiova. Nach 3:00 Stunden Flugzeit landen wir auf der langen Grasspiste 27 des Aerodromul Drobeta, 15 km entfernt von der Stadt Drobeta Turnu Severin im Länderdreieck zu Bulgarien und Serbien.Wir haben uns nämlich zum jährlichen „Drobeta Fly-In“ am nächsten Tag angemeldet. Der Veranstalter Endy Molnar stellt uns seiner Familie und einigen bereits angereisten Piloten vor, welche uns gleich zu Tisch bitten. Von Westen zieht ein massives Gewitter auf und wir verdoppeln die Vertäuung am Motorsegler mit weiteren geliehenen Bodenankern. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und alle Flugzeuge sind heil geblieben. In den kommenden Stunden landen weitere Maschinen, meist aus Rumänien und Bulgarien. Der Abend wird eine feucht-fröhliche Veranstaltung, bevor wir müde ins Zelt fallen.



Zum Fly-in am nächsten Tag sind circa 50 Crews mit ihren Maschinen angereist. Aus Drobeta kommen einheimische Zuschauer, welche mit viel Interesse den Kunstflugvorstellungen folgen. Nach dem Ende der Vorstellung verabschieden wir uns spätnachmittags, um noch die Etappe Richtung Siofok/Ungarn zu fliegen. Aus der Startrichtung 27 nehmen wir den Kurs auf, und folgen dem Grenzverlauf an der Donau. Der turbulente Westwind bremst unsere Ground Speed merklich auf knapp 120 km/h. Wir bleiben deshalb tief, und eine weitere Maschine hilft uns im Funk-Relais zur FIS unseren Flugplan zu öffnen. Später passieren wir Timisoara im Südwesten, und queren bei Szeged die Grenze nach Ungarn. Der Flugplatz Siofok ist ein Fallschirmsprungzentrum am Südufer des Plattensees. Wir landen gegen 19:00 Uhr, und können noch auftanken. Die Camping-Anlagen sind gepflegt, leider ist das Restaurant am Flugplatz geschlossen. Die letzte Etappe zurück nach Unterwössen planen wir mit einem frühen Start, und geben auch gleich den Flugplan auf.
Die Nacht bringt angenehme Temperaturen. Da das Frühstück ausfällt, starten wir bereits um 07:00 Uhr Ortszeit und drehen auf Westkurs über den stillen Plattensee. Nach einer Stunde Flugzeit queren wir bei Heiligenkreuz die Grenze zu Österreich, und fliegen weiter nach Kapfenberg an der Mur. Bei bestem VFR-Wetter fliegen wir eine direkte Kurslinie über den Schoberpass nach Trieben und Liezen, jenen Bereich der Ostalpen der uns als Segelflieger gut bekannt ist. Die sich entwickelnde Thermik erhöht unseren Reisedurchschnitt. Nach dem Steinernen Meer und Lofer erreichen wir Reit im Wink,l und schliessen den Flugplan bei der FIS Langen. Nach 18:30 Stunden Gesamtflugzeit landen wir wieder wohlbehalten in Unterwössen.
Ein ausführlicher Reisebericht ist im aerokurier Ausgabe 11/2026 erschienen.
Autoren: Hans Schreck und Peter Stahl
Fotos: Hans Schreck


Die Route:
Unterwössen, Prievidza, Debrecen Hajduszoboszlo, Sibiu Cisnadie, Brasov Corona, Tuszla, Drobeta, Siofok, Unterwössen
Kartenmaterial:
Tablet mit SkyDemon; ICAO Karte Österreich, Rogers Karten Ungarn, Rumänien West + Ost
Landegebühr / Parken-Service / Kraftstoff p.L.:
Prievidza: €10,00 / — / 2,00 (Mogas);
Hajduszoboszlo: € — / — / –;
Cisnadie: € — / — / 1,60 (Super);
Corona: € — / — / –;
Tuzla: € 9,52 / 28,00 / 3,46 (Avgas);
Drobeta: keine Gebühren bei Fly-IN / 2,27 (Mogas);
Siofok: €10,00 / — / 1,87 (Mogas)
Übernachtungen:
HungaroSpa Camping mit Eintritt €21 p.P. ; Sibiu Casa Mario DZ o.F. €40.-; Brasov Casa Monte Verde DZ o.F. €46; Eforie Sud Seapoint Boutique Hotel DZ o.F. €45; Drobeta Camping
–; Siofok Camping €12,50 p.P.
Online Hotelbuchungen unkompliziert mit sofortiger Rückbestätigung z.B. über Booking.com.
Zusatzequipment:
Notausrüstung inklusive Signalraketen, Warnwesten fürs Vorfeld, Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Erdanker mit Gurten, Werkzeug
Gut zu wissen:
Flugplanpflicht besteht i.d.R. bei Grenzübertritt, es sei denn es gelten Erleichterungen (s. AIP). In Rumänien gilt bei quasi allen Flugbewegungen Flugplanpflicht, da oft Kontrollzonen tangiert werden. Die Aktivierung und Schließung von Flugplänen bei FIS sollte man bei unbesetzten Plätzen beachten. VFR Routen in Kontrollzonen und TMAs beachten.
Die FIS Funkabdeckung ist in Zentralrumänien bzw über den Karpaten in niedriger Höhe nicht zuverlässig.
Links:
AIP Ungarn: https://ais-en.hungarocontrol.hu/aip/
AIP Rumänien: https://www.aisro.ro/
romatsa Aeronautical Info Portal: https://flightplan.romatsa.ro/init/default/index
u.a. für NOTAMs, Meteo
PIREPS:
Pilot Reports sind eine gute Quelle zu Flugplatzinfos: http://www.eddh.de
Ebenso Landeplatz-Kommentare in SkyDemon
Wetter:
DWD Internet-Zugang (kostenpflichtig): http://www.flugwetter.de
GAFOR Südost Europa https://viewer.egafor.eu/egafor-viewer/

















